KEINE LANGWEILE IN DER QUARANTÄNE

So nutzen Sie die Corona-Auszeit sinnvoll

 

Haben Sie auch schon gezählt, wie viele #Nudeln in einer 500gr Packung Rigatoni sind und wie viele Blätter eine #Klopapierrolle 🧻 hat? Keine Lust mehr auf #StadtLandFluss 🌍 und schon alle #NetflixSerien geschaut? Nutzen Sie die unfreiwillig verordnete Auszeit doch sinnvoll! Hier 11 bunt gemischte, konkrete Anregungen für Sie:

  1. Erstellen Sie eine „Bucketlist“: Was wollen Sie in Ihrem Leben noch machen? Was wäre der erste konkrete Schritt, um es umzusetzen?
  2. Sortieren Sie Ihren Kleiderschrank aus und spenden Sie nicht mehr Getragenes einer caritativen Einrichtung!
  3. Schreiben Sie einem lieben Menschen einen Brief!
  4. Verfassen Sie Ihr persönliches Grundgesetz: Listen Sie alle Werte auf, die Ihnen wichtig sind. Wer Inspiration sucht, einfach bei einer Suchmaschine mal „Werte Liste“ eingeben!
  5. Ermitteln Sie Ihre Stärken mit Hilfe des wissenschaftlich fundierten (und kostenlosen) Tests der Universität Zürich: www.charakterstaerken.org
  6. Wen werden Sie zu Ihrer „Nach-Corona-Party“ einladen? Schreiben Sie schon jetzt Ihre Gästeliste und machen sich Gedanken darüber, wie Sie die Party gestalten wollen!
  7. Schreiben Sie eine drei- bis vierseitige Zusammenfassung Ihre Lieblingsfachbuches und schicken Sie sie an Ihre Freunde und/oder Arbeitskollegen!
  8. Tun Sie so, als ob Sie Chefredakteur einer Tageszeitung Ihrer Wahl wären und formulieren einen Kommentar, in dem Sie Ihre persönlichen Erkenntnisse aus den letzten Wochen festhalten!
  9. Welcher BIG5-Persönlichkeitstyp sind Sie? Es gibt dazu einige kostenlose Online-Tests. Suchbegriff „Big5 online Test kostenlos“!
  10. Vermutlich schlummern auf Ihrer Festplatte tausende von Fotos der letzten Jahre. Legen Sie für jedes Jahr (oder jeden Urlaub oder jedes Thema) einen „Best-of-Ordner“ an, in den Sie maximal 10 Prozent der jeweiligen Fotos einsortieren!
  11. Stellen Sie sich vor, es wäre März 2021, die Corona-Krise liegt lange hinter uns: Drehen Sie aus dieser Zukunftsperspektive ein Selfie-Video und verraten Sie Ihrem (fiktiven) Publikum, was Sie damals Sinnvolles getan haben, um die Quarantänezeit gut zu überstehen!

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GELASSEN IN DER KRISE

Warum wir uns nicht so viele Sorgen machen sollten

So etwas gab es noch nie – Gesellschaft und Wirtschaft rund um den Globus sind in Schockstarre. Lockdown! Corona stellt so ziemlich alles in unserem Leben auf den Kopf. Noch Jahre werden die Nachwirkungen zu spüren sein – wirtschaftlicher ebenso wie persönlicher Art. Es handelt sich um eine Krise, die an den Grundpfeilern unseres Verständnisses von Zusammenleben und -arbeiten rüttelt, und zwar sehr kräftig. 

 

Negatives wie Positives bringt diese Krise hervor. Profiteur ist das Klima – so klar war die Luft in Peking, Mailand und Stuttgart schon lange nicht mehr. Gewinner sind einige wenige Branchen, Klopapierhersteller und Pornoportale haben Hochkonjunktur. Helden werden geboren, Helfer leisten schier Unmögliches.

 

Dem stehen jedoch deutlich mehr Verlierer gegenüber: Klein- und Kleinstunternehmer, finanzschwache Firmen, Künstler, Kreative und manch andere mehr. Es offenbaren sich egoistische Totalausfälle. Herdenverhalten, Panikmache und skrupellose Abzocker sind zu beobachten. Krisen zeigen halt die wahre Natur einer Person. Während einige Menschen besonnen und zuversichtlich reagieren, machen andere sich und ihr Umfeld verrückt. Manchen gelingt es, sofort die Ärmel hochzukrempeln und nach Lösungen zu suchen, während andere in den Jammer-Modus schalten und – so wie Babys nach der Mutter – nach dem Staat rufen, ihnen doch gefälligst zu helfen. Manche decken sich mit dem Jahresbedarf an Rigatoni ein und prügeln sich beim ALDI um die letzte Dose „Feuerzauber Texas“, während andere Zettel in der Nachbarschaft aufhängen und ihre Hilfe anbieten.

 

Kein Konservenhamster-Bashing

Die Antwort der Menschen auf die Krise fällt also höchst unterschiedlich aus. Doch anstatt die die Konservenhamster an den Pranger zu stellen, sollten wir den ängstlichen Menschen ihre Sorgen nehmen. Das will ich mit diesem Beitrag versuchen. Ich werde seriöse Erkenntnisse aus der Forschung nennen, die helfen können, etwas gelassener in die Zukunft zu schauen.

 

Eine Vorbemerkung: Da ich weder Virologe, noch Mediziner bin, steht es mir nicht zu, eine wie auch immer geartete Beurteilung der realen Risiken durch Sars-CoV-2 vorzunehmen. Ich empfehle, sämtliche Ratschläge von offiziellen Stellen zu befolgen und die Gefahren ernst zu nehmen.

 

Emotionaler Ausnahmezustand

In undurchsichtigen Situationen – wie wir sie gerade erleben – suchen wir verstärkt nach Hinweisen für Gefahren. Und solche finden sich fast immer. Aus Sicht der Evolution ist dieses Verhalten auch durchaus sinnvoll. Hätten unsere Vorfahren das Knacken im Gebüsch nicht als Hinweis auf einen hungrigen Säbelzahntiger gedeutet und wären geflüchtet, dann wären sie gefressen worden. Lieber einmal zu viel weggerannt, als aus dem Genpool auszuscheiden. Das Problem jedoch ist: In Krisen verabschiedet sich unsere Großhirnrinde und wir können nicht mehr rational urteilen. So unterliegen wir einer fundamentalen Wahrnehmungstäuschung und gelangen zu einer deutlich schlimmeren Beurteilung der Lage sowie der Zukunft, als sie sich vermutlich wirklich darstellen.

 

Aufmerksamkeits-Illusions-Paradoxon

Sie kennen das aus Ihrem Alltag: Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das entdecken wir überdurchschnittlich oft in unserem Umfeld. Frauen, die schwanger sind, bemerken auf einmal viel mehr Schwangere als früher. Wenn man sich ein neues Auto kaufen möchte, dann erblickt man im Verkehr plötzlich nur noch solche Fahrzeuge, wie man sich eines anschaffen möchte. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern verzerrt, wie durch einen Filter. So auch jetzt: Überall begegnen uns Hinweise auf Gefahren, wobei es mindestens so viele positive, ermutigende Signale gibt, die wir übersehen, wie etwa das Improvisationstalent und die Kreativität von Menschen und Institutionen.

 

Negativitäts-Dominanz

Der Mensch ist auf negative Informationen programmiert. Von den durchschnittlich 60.000 Gedanken, die wir pro Tag haben, sind lediglich drei Prozent positiver Art, aber 25 Prozent negativer Natur. So zu denken war ursprünglich mal ein Überlebensvorteil – wer sich Sorgen um die Zukunft machte, legte sich einen Essensvorrat an, wer sich vor aggressiven Bären fürchtete, schütze seine Höhle. Problematisch dabei ist, dass diese in der Psychologie „Negativitäts-Dominanz“ genannte Eigenschaft dazu führt, dass schlechte Nachrichten tendenziell stärkere Reaktionen hervorrufen als gute Nachrichten.

 

Hedonistische Adaption

Vielleicht haben Sie schon einmal von Studien gehört, wonach sowohl Unfallopfer als auch Lottogewinner spätestens nach zwei Jahren wieder ihr vorheriges Zufriedenheitslevel erreicht haben. Nach schönen ebenso wie nach schlimmen Erfahrungen kehrt man wieder zurück auf sein ursprüngliches Glücksniveau. In der Psychologie ist dieses „Gesetz“ als die „hedonistische Adaption“ bekannt. Die beruhigende Botschaft dabei ist: Auch wenn unser aktueller Gemütszustand im Keller ist, werden wir in absehbarer Zeit so glücklich sein, wie wir es vor Corona waren.

 

Gegenwartsverzerrung

Der US-amerikanische Psychologe Dan Gilbert fand – lange vor der Pandemie – heraus: „Wir können uns nicht vorstellen, uns in der Zukunft wohl zu fühlen, wenn es uns in der Gegenwart schlecht geht.“ Woran liegt diese Gegenwartsverzerrung? Weil wir kein Verständnis für die Dimension „Zeit“ haben. Künstlich gemessene Zeit ist eine Erfindung der Moderne, unsere Gehirne sind nicht dafür gemacht, Zeit abzuschätzen. Bei Entfernungen gelingt uns das recht gut, jedoch nicht hinsichtlich der Zeit. Etwa 99,6 Prozent der zweieinhalb Millionen Jahre währenden Geschichte des Menschen richteten wir uns ausschließlich nach dem Takt der Natur. Erst mit der Industrialisierung vor 200 Jahren hielt die Uhr Einzug in unser Leben. Die Folge: Wir verstehen nicht, was Tage, Monate oder gar Jahre bedeuten. So schlussfolgern wir fälschlicherweise von unserer gegenwärtigen Verfassung auf die Zukunft.

 

Alles hat sein Gutes

Der größte lebende Philosoph, Jogi Löw, wurde 2004 als Trainer bei Austria Wien mangels Erfolg entlassen. Zehn Jahre später, nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft, wurde er von einem österreichischen Sportjournalisten gefragt, wie er in der Stunde seines Triumphes über den seinerzeitigen Rauswurf denke. Löw schüttete keine Häme aus, sondern erkannte: „Das war mein größtes Glück, sonst wäre ich heute nicht hier.“ 

 

Auch wenn Opfer zu beklagen sein werden, auch wenn wir eine entbehrungsreiche Zeit durchgemacht haben werden, bin ich fest davon überzeugt: Eines Tages werden wir zurückschauen und erkennen, dass die Coronakrise das größte Glück für die Menschheit war, lehrte sie uns doch Empathie, Hilfsbereitschaft, Demut und Solidarität.

 

Ein Mensch schaut in der Zeit zurück,

und sieht: sein Unglück war sein Glück.

Eugen Roth

 

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